Whisky optimal genießen

Viele trinken ihren Whisky mit Eiswürfeln. Schließlich wird das seit Jahrzehnten in zahlreichen Spielfilmen so suggeriert. Kann man so Whisky optimal genießen?

Kommt darauf an. Manch einfacher Whisky kann mit Eis besser schmecken. Vor allem wenn er mit kräftigen Bitterstoffen ausgebaut wurde. Durch die Kälte werden Aromen unterdrückt. Kein Wunder also, daß mancher Whisky ungekühlt sehr herb und kräftig schmeckt. Ungekühlt ist er meist kein Genuss. Da Eis die Aromen und den Geschmack unterdrückt, geniessen die meisten Kenner einen guten Whisky bei Zimmertemperatur. Kein Eis. Vielleicht etwas Wasser. Aber das hängt vom Whisky ab.

Was ist aber ein guter Whisky? Es ist schwierig darauf eine pauschale Antwort zu geben. Der Großteil der weltweit produzierten Whisky sind Blends. Hier werden verschiedene Whisky zu einer Blend gemixt. So sollen die positiven Aromen und Geschmacksnuancen vereint werden. Die meisten Blends sind Massenprodukte zu günstigen Preisen. Es gibt aber auch sehr hochwertige Blends. Für den Einsteiger in die Whisky-Welt ist die Unterscheidung sicherlich nicht einfach. Da hilft nur probieren.

Viele Experten halten einen Single Malt für den hochwertigen Whisky. Das mag in vielen Fällen zutreffen. Ist am Ende aber auch wieder Geschmackssache. Ein schottischer Single Malt ist ein Whisky, welcher aus Gerste gebrannt wurde und in einer Destillerie hergestellt wurde und mindestens 3 Jahre oder Länger in einem Holzfass gereift worden ist.

Darüber hinaus gibt es auch Single Grain. Whisky aus anderen Getreidesorten. Bourbon dagegen besteht aus mindestens 51% Mais. Jedes Getreide hat seine eigenen Aromen und Geschmacksnoten. Entsprechend unterschiedlich schmeckt solch ein Whisky. Auf die wesentlichen Unterschiede möchte ich in einem anderen Artikel näher betrachten. Gehen wir davon aus, daß du einen guten bis sehr guten Whisky hast. Nun möchtest du diesen optimal genießen.

Whisky optimal genießen – Whiskyglas

Die Form eines Trinkgefäßes hat einen spürbaren Einfluß auf den Duft und Geschmack eines Getränkes. Der klassische Whisky-Tumbler ist für den optimalen Genuß eines großartigen Single Malt weniger gut geeignet. Die Aromen verflüchtigen sich durch die große Öffnung schnell nach oben. Der Geschmack wird auf Grund der Form ebenfalls anders als in einem Glencairn oder Nosingglas sein.

Tumbler

Whiskyglas Tumbler
Whiskyglas Tumbler

Der Klassiker für Whisky. Das Tumbler-Glas hat eine dicken festen Boden, damit es fest stehen kann und gekühlte Getränke sich in der Hand nicht zu schnell erwärmen.

Das Tumbler-Glas bietet Platz für Eiswürfel. Aus diesem Grund eignet es sich gut für Getränke mit Eiswürfel. Auch ein Whisky on the rocks gehört hier dazu.

Sozusagen ein Klassiker, welchen man in vielen Spielfilmen und Fernsehserien zu sehen bekommt. Das Glas eignet sich am besten für Cocktails oder Whisky mit Eiswürfeln. Für komplexere Whisky ist es meist weniger gut geeignet, da sich die Aromen durch die weite Öffnung schneller verflüchtigen können.

Glencairn

Whiskyglas Glencairn
Whiskyglas Glencairn

Ist in Schottland ein beliebtes Glas zum geniessen von Whisky. Es ist schlanker und kleiner als ein Tumbler. Die Form ist im unteren Bereich bauchig und verjüngt sich nach oben. So werden die Duftaromen konzentrierter wahrgenommen. Aber auch beim trinken schmeckt ein Whisky anders, da durch die Form das Getränk an bestimmten Stellen zuerst auf die Zunge trifft.

Für den Genuss von guten Whisky ist es bereits ein sehr gutes Glas. Durch die nach oben schmaler verlaufende Form, erreichen die Aromen konzentrierter die Nase. Unter Whiskyfans des schottischen Whisky ein beliebtes Glas.

Nosingglas – Stilglas

Whiskyglas Nosingglas
Whiskyglas Nosingglas

Das Nosing- oder Stilglas ist in der Form häufig mit dem Glencairn vergleichbar. Wesentlicher Unterschied ist der Stil wie bei einem Weinglas. Dadurch sieht das Glas eleganter aus. Hat aber auch den Nachteil, daß es nicht so stabil steht wie ein Glencairn.

Nosing- oder Stilgläser gibt es in unterschiedlichen Größen und Formen. Generell gibt es nicht das beste Whiskyglas. Je nach Art des Whisky kann eine andere Glasform und Größe besser sein. Und am Ende entscheidet hier auch der persönliche Geschmack.

Weitere Gläser für Whisky

Whiksyglas von whisky.de
Whiksyglas von whisky.de

Darüber hinaus gibt es von verschiedenen Anbietern weitere Varianten in der Glasform, welche zum Teil alle gewisse Vor- und Nachteile bieten.

Viele Hersteller haben da eine eigene Philosophie und versuchen durch Unterscheidungsmerkmale Verkaufsargumente für ihr Glas in den Vordergrund zu stellen.

Da die Aromen und Geschmack beim Whisky sehr vielfältig sind, wird es nie das eine beste Glas geben, welches bei allen Whisky am besten ist. Hier sollte man ruhig mal verschieden Glasformen mit einem Whisky testen, um den eigenen persönlichen Favoriten zu finden. Ich nutze derzeit am häufigsten das Glas von whisky.de. Es kann aber sein, daß ich zukünfig auf Grund neuer Erfahrungen auch mal öfter ein anderes Glas nutzen werde. Schmecken udn Riechen ist Erfahrung. Erfahrung wächst mit der Zeit und kann zu neuen Entscheidungen führen.

Tipp 1: Probiere einen Whisky aus verschiedenen Gläsern. Du wirst erstaunt sein, wie unterschiedlich der Whisky riechen und schmecken wird.

Tipp 2: Probiere einen Whisky mit verschiedenen Whiskygläsern. Einem Glencairn, Nosingglas mit geradem Rand und Nosingglas mit nach außen gewölbten Rand. Auch hier wirst du Unterschiede feststellen.

Whisky optimal genießen – Temperatur

Manche Experten empfehlen eine optimale Trinktemperatur. Ich halte das für übertrieben. Bei Zimmertemperatur sollte man die meisten Aromen und Geschmacksnoten erschmecken können. Der Whisky sollte nicht zu kühl sein. Sommerhitze ist sicherlich auch nicht optimal, da sich bei höheren Temperaturen Aromen und Geschmacksnoten schneller verflüchtigen können.

Whisky optimal genießen – Wasser

Whisky muß mindestens 40% Alkohol beinhalten. Es gibt aber auch einige Whisky die höherprozentig abgefüllt werden. Bei Faßstärken können sogar über 60% Alkohl erreicht werden. Solche Faßabfüllungen würden in den meisten Fällen unverdünnt nur scharf brennen und viele Aromen und Geschmacknuancen wären nicht differenzierbar. Die Zunge wird regelrecht vom Alkohol taub. Eine Verdünnung mit Wasser verbessert hier meist den Genuß. Wieviel Wasser hängt immer vom einzelnen Whisky und dem persönlichen Geschmack ab. Ausprobieren ist hier Grundvoraussetzung.

Einige bessere Whisky werden auch mit 43%, 46% und noch mehr Alkohol angeboten. Auch hier kann ein Versuch mit Wasser neue Aromen und Geschmacknoten bringen. Einfach mal ausprobieren. Manchmal wird der Whisky dadurch harmonischer. Manchmal verändert er sich kaum. Manchmal wird er nur wässriger. Auch hier hilft nur Ausprobieren.

Whisky-Fans verwenden schottisches Highlandwasser. Das gibt es zum verdünnen von Whisky im Fachhandel. Das Highlandwasser ist sehr weich. Allerdings gibt es auch schottische Destillerien welche mit hartem Wasser ihren Whisky abfüllen. So gesehen, nehme ich persönlich meist normales Leitungswasser zum verdünnen. Mag sein, daß es da einen Unterschied geben kann. Aber wenn ich das richtige Mischungsverhältnis gefunden habe, passt das für mich.

Whisky optimal genießen – Eiswürfel

Viele Whisky-Geniesser lehnen Eiswürfel im Whisky ab. Allerdings sind die Geschmäcker unterschiedlich. Und wenn jemand seinen Whisky mit Eiswürfel trinken möchte, kann er dies auch gerne tun. Bei den meisten Whisky wird allerdings ein Teil der Aromen und Geschmacksnoten verloren gehen.

Whisky optimal genießen – Stimmung

Auch die persönliche Stimmung spielt beim Genuß eine Rolle. Ist man schlecht drauf, kann auch der Lieblingswhisky auch mal schlechter schmecken. Zudem reagieren unsere Geschmacksnerven am Vormittag besser als am Abend. Dennoch geniesse ich deswegen nicht schon 10 Uhr morgens Whisky. Aber das hängt damit zusammen, daß ich am Vormittag kaum Alkohol vertrage.

Whisky optimal genießen – Verkostung

Endlich kommen wir zur Verkostung. Das Grundwissen habt ihr ja bereits davor gelesen. Ihr habt einen oder mehrere guten Whisky besorgt. Ein passendes Whiskyglas, wie ein Glencairn oder Nosingglas ist vorhanden. Der Whisky hat Zimmertemperatur. Dann kann es endlich los gehen. Etwas Whisky in das Glas gießen. Das Grundprinzip bei einer Whisky-Verkostung ist mit einer Wein-Verkostung überwiegend identisch.

1. Schauen

Wie beim Wein, betrachtet man den Whisky im Glas gegen eine helle Fläche oder im Gegenlicht. Dort erkennt man die Farbe und andere Eigenschaften. Mit diesen Merkmalen kann man nach einiger Übung schon die ersten Rückschlüße schließen. Gelbe Tönung haben meist Whisky die in Bourbon-Fässer gereift wurden. Wobei hier auch ein Finish in Weißweinfässern denkbar wäre. Orangefarben, bernsteinfarben bis dunkelbraun könnte ein Indiz für eine Reifung oder Finish im Sherryfaß sein. Rötliche Färbungen deuten auf ein Finish oder Reifung im Rotweinfaß hin.

Schwierig einschätzbar sind Reifungen in verschiedenen Fäßern, welche zu einem Whisky vermählt wurden. Und dann ist in Schottland auch noch die Färbung durch Zuckercouleur erlaubt. Allerdings wird dies vom Hersteller immer angegeben.

Bildet sich beim Schwenken ein öliger Film am Glas, deutet dies auf einen hochprozentigen oder sehr alten Whisky hin.

Ist ein Whisky trüb, wurde er nicht kühlgefiltert und hat zu niedrige Temperaturen ertragen müssen. Dadurch flocken Bestandteile, die Trübstoffe, aus. Das ist allerdings eher ein Qualitätsmerkmal, da die Trubstoffe auch die Kompelxität der Aromen und Geschmack unterstützen können.

2. Riechen

Schnuppere zuerst am unbewegten Glas. Dabei sollte man möglichst das Glas hin und herschwenken. Die meisten Menschen riechen über beide Nasenlöcher unterschiedlich! Durch das Schwenken sollen mehr Aromen aufgenommen werden.

Bei einem sehr guten Whisky wird man über die Aromenvielfalt erstaunt sein. Wahrscheinlich wird man beim ersten Mal schwierig die passenden Worte finden. Aber das kommt mit der Übung.

Danach schwenkt man den Whisky im Glas und schnuppert wieder. Bei manchen Whisky wird man weitere Aromen riechen. Bei anderen riecht man die gleichen Aromen.

3 Schmecken

Whisky geniessen hat wenig mit trinken zu tun. Man nimmt einen mundfüllende Schluck. Der Whisky bleibt erst einmal im Mundraum. Manche empfehlen pro Jahr des Whisky-Alters eine Sekunde. Ein zwölfjähriger Whisky bleibt 12 Sekunden im Mundraum. Ich halte wenig von dieser Pseudoregel. Bei mir bleibt der Whisky solange im Mundraum, wie er mir mundet. Das kann auch mal über eine Minute sein. Durch den entstehenden Speichelfluß verdünnt sich der Whisky ganz langsam und eröffnet weitere Geschmacksnoten. Die würden mir bei vorzeitigem herunterschlucken entgehen!

Je besser ein Whisky ist, desto komplexer und vielfältiger sind die Geschmacksnoten.

4. Abgang

Sobald man den Whisky herunterschluckt, redet man vom Abgang. Die Geschmacknoten sind hier oft ähnlich, können sich aber auch komplett verändern. Was ein langer Abgang ist, konnte mir bisher kein Whisky-Experte eindeutig beantworten. In einem Forum bekam ich von 5 Personen 5 verschiedene Definitionen. Offenbar kann man das für sich selbst definieren wie man will. Bei mir ist ein kurzer Abgang unter einer Minute. Bis zu zwei Minuten ist mittel. Alles darüber ist für mich ein langer Abgang. Aber hier gibt es wohl derzeit keine einheitliche Definition wie beim Wein. Und da ein Whisky meist einen längeren Abgang als Wein hat, wäre einen 1:1 Übernahme keine gute Lösung.

Optional 5. mit Wasser verdünnen

Hat der Whisky 43% oder mehr Alkoholvolumen, kann man ihn mit Wasser etwas verdünnen. Dadurch kann sich der Charakter auch verändern. Manchmal wird er nur wässriger. Manchmal wird er fruchtbetonter und harmonischer. Was einem persönlich besser schmeckt ist mal wieder Geschmackssache. Einfach ausprobieren. Oft bringen nur ein paar Tropfen bereits eine große Veränderung. Ob besser oder schlechter hängt in erster Linie vom eigenen Geschmack ab.

Whisky optimal genießen – abschließende Empfehlungen

Für den Einstieg sind solche Tipps und Hinweise für den Genuß von Whisky sicherlich hilfreich. Whisky ist allerdings ein sehr vielfältiges Getränk. Whisky ist das Getränk mit den vielfältigsten Aromen und Geschmacksnoten. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Whisky sollte man so genießen, wie man möchte. Whisky sollte man so genießen, wie er einem selbst am besten mundet.

Mir wurde in Restaurants und Bars auch schon Whisky in einem weniger optimalen Glas serviert. Dennoch konnte ich den Whisky sehr schön geniessen.

Damit will ich sagen, laßt euch von niemanden vorschreiben, wie Ihr euren Whisky zu geniessen habt. Probiert viele Möglichkeiten aus. Experimentiert mit verschiedenen Wasseranteilen im Whisky. Experimentiert mit verschiedenen Gläsern. Experimentiert mit verschiedenen Lebensmitteln zum Whisky. Seht den Genuss von Whisky als eine Reise zum optimalen Genusserlebnis.

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